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Musikverein vs. Familie

In den nächsten Zeilen möchte ich ein bisschen über die nicht nur musikalische Seite unseres Musikvereins, besonders aus der Sicht der weiblichen Mitglieder, erzählen.

Als ich im Jahr 1978 dem Musikverein beitrat, war ich für einige Jahre das einzige weibliche Wesen in dieser Männerdomäne. Also konnte es auch keine Verwechslungen geben, wenn mich Kapellmeister Berndt Lindmayer immer "unser Mädchen" nannte. Doch dann bekam ich nach und nach Verstärkung und nun sind im Musikverein 18 Frauen neben 25 Männern aktiv.

Im Laufe der Zeit gab es, bedingt durch Beziehungen, Beruf und Familiengründung, einen steten Wechsel der weiblichen Mitglieder. Viele Frauen haben spätestens mit Gründung einer eigenen Familie das aktive Vereinsleben beendet.

Mit Karin Gernedl, die ihren Walter – ebenso wie ich meinen Karli – im Verein kennen lernte, entstand eine Freundschaft, die weit über die musikalische Verbindung hinausging.

So wurden die Umstands-Uniformröcke von Schwangerschaft zu Schwangerschaft weitergegeben, die Omas fuhren bei Auftritten gemeinsam mit den Kinderwägen spazieren und wenn notwendig, wurde hinter der Bühne in einer kurzen Pause der Nachwuchs gestillt.

Die Kinder unserer Vereinsmitglieder sind immer ein Bestandteil unserer Ausflüge, Veranstaltungen und auch Auftritte. Besonders hervorzuheben ist hier auch die organisatorische Leistung der weiblichen Mitglieder.

Solange die Kinder noch klein sind, muss immer ein Babysitter zur Stelle sein. Vor allem bei den vielen Spielverpflichtungen in der Sommerzeit wird das Betreuungspersonal manchmal knapp, dann wird auf Omas, Tanten, Freundinnen und sonstige Verwandtschaft zurückgegriffen.

Wenn die Kinder dann aber als schnell heranwachsende, pubertierende und immer hungrige Jugendliche bereits ebenfalls im Verin aktiv mitspielen, wird so ein einsatzreiches Wochenende zu einer besonderen Herausforderung.

Hier ein kleines Beispiel (wie es sich tatsächlich ereignet hat):

Nach einer Spielpause von einigen Wochen bemerkt einer der Söhne, fünf Minuten nach vereinbarter Abfahrtszeit, dass seine schwarzen Schuhe nicht mehr passen.

Nachdem dieses Problem mit einem Ersatzpaar des Vaters (nach einiger Diskussion wurden die nicht so "coolen" Schuhe akzeptiert) gelöst war, kam man schon sehr knapp zum vereinbarten Treffpunkt.

   

Nun muss der jüngste der Brüder noch schnell seine Sportlichkeit unter Beweis stellen und springt, anstatt wie alle anderen den Weg zu benützen, über eine Hecke. Leider bleibt er hängen und seine Hose hat einen großen Riss.

Auch in dieser Situation zeigt der Verein Zusammenhalt: Einige Musiker, die ihre Orden mit Sicherheitsnadeln auf der Uniform befestigt haben, stellen diese zur Verfügung, um die Hose für den kommenden Marschauftritt einsatzfähig zu machen.

Am nächsten Tag ist bereits um 8:00 Uhr Treffpunkt für den nächsten Auftritt. Dies bedeutet, dass alle bis auf die letzte Minute schlafen wollen, und das Badezimmer plötzlich überfüllt ist.

Da es am Vortag spät geworden ist, will einer der Jungs nicht aufstehen. Alle anderen Familienmitglieder sitzen bereits ungeduldig im Auto und warten auf die Abfahrt. Hier ist jetzt für die Eltern pädagogische Schwerstarbeit zu leisten.

Nachdem dann auch dieses Problem mit viel Überredungskunst gelöst wurde, steht einem wunderschönen Tag mit musikalischen Auftritten nichts mehr im Weg.

Den Abschluss dieses einsatzreichen Wochenendes bildet am Montag die Wäschespinne, auf der 15 weiße Hemden hängen, die bis zum nächsten Wochenende gebügelt sein müssen.

Trotz all dieser Herausforderungen ist es wunderschön, so viel Freizeit mit der gesamten Familie und den Freunden aus dem Musikverein zu verbringen.

Text von Susanne Osztovics